Die Urschlaraffen

Wer 1859 in Freund's Restauration saß: 23 Namen, ihre Berufe, ihre Ritternamen — mit den Bildtafeln aus Drasals Chronica und den Faksimile-Unterschriften der Dargestellten.

Vier Bleistiftporträts in zwei Reihen, darunter jeweils die Faksimile-Unterschrift des Dargestellten: Conrad Hallenstein, ein nicht sicher zu entzifferndes viertes Porträt, Eduard Bachmann und Eilers
„Die vier ersten Ur-Oberschlaraffen. Nach einer Bleistiftzeichnung des Ritters Pastranus." Drei der vier Unterschriften sind zweifelsfrei zu lesen: Conrad Hallenstein, Eduard Bachmann, Eilers (datiert 18.7.59). Die vierte, oben rechts, ist trotz Prüfung nicht sicher zu entziffern. Aus: Drasal vom Glockenthurm, Chronica Allschlaraffiae, I. Teil, Praga a. U. 39. Digitalisat: Archiv Schlaraffia Eisenach e. V.

Rt Pastranus — profan Franz Karel Kolár d. J., selbst einer der 23 — zeichnete seine Weggefährten von Angesicht. Unter jedes Porträt setzte der Dargestellte seine eigene Unterschrift. Das ist, was dieses Projekt an Bildmaterial besitzt: keine Fotografien, aber etwas, das ihnen nahekommt — die Hand derer, die dabei waren.

23 oder 43?

Die Quellen nennen zwei Zahlen, und beide sind belegt. Hlavničková spricht von 23 Gründungsmitgliedern, ebenso die Verbandschronik und Drasals Urstammrolle. Die Postille dagegen zitiert die erste Stammrolle der Allmutter selbst: „unter den 43 Urschlaraffen befanden sich 26 Freunde, deren profane Tätigkeit mit dem Theater verbunden war." [HLA-12, VCH I, POST-22]

Ende 1862 zählte die Praga bereits 51 Mitglieder, davon 25 mit künstlerischem Beruf. [HLA-12]

Die 23 Gründer

# Profaner Name Rittername Beruf
1 Allram Alschmetten Kaufmann und Poet
2 Eduard Bachmann Jagu mit der rothen Cravatte Opernsänger (Tenor), zuvor Oboist
3 Johann Bachmann Hänschen der unerschrockene Kunstkenner Assekuranz-Inspektor
4 Karl Dolenský Falstaff die Jerichotrompete Musiker
5 Carl Dolt Jocus Schauspieler, Sänger, Regisseur
6 Albert Eilers Graf Gleichen der Lindenmüller Opernsänger (Bass), Dichter, Komponist
7 Conrad Adolf Hallenstein Wendelin von Höllenstein Schauspieler
8 Josef Chauer Sedler der kühne Nimrod Bankdirektor
9 Josef Chramosta Chramo der Unschuldige Schauspieler
10 Wilhelm Jahn Mager der doppelte Speiszettel Kapellmeister, später Direktor der Wiener Hofoper
11 František Karel Kolár d. J. Pastranus Schauspieler, Maler — Zeichner der Bildtafeln auf dieser Seite
12 A. Markwordt Rülps Schauspieler
13 Heinrich (Antonín) Mick Kluck der Maurerpolier Baumeister und Musiker
14 Franz Innozenz Nachbaur Veilchenboa der Tenorjoseph Opernsänger (Tenor)
15 Heinrich W. Oberländer Box der Schlaraffenabbé Hofschauspieler, Dichter
16 A. Paulus Chevalier d'amour
17 Václav (Wenzel) Reissinger Huppel di Hax der Rastelbinder Ballettmeister
18 Eduard Schmidt-Weißenfels Plato der griechische Bummler Schriftsteller, Redakteur
19 Johann Siege Namenlos Schauspieler
20 Ludwig Slanský Breithut u Primasu Kapellmeister, Komponist
21 Franz Thomé Carl II. der Frauenprüfer Direktor des Prager Ständetheaters
22 Carl Tobisch Gotthold der Eilfer Redakteur
23 Ignaz Ulbricht

[HLA-12], abgeglichen mit Drasals Urstammrolle [CHR-A] und der Verbandschronik [VCH I].

Sechs der 23 sind auf eigenen Seiten ausgebaut, verlinkt in der Tabelle. Die übrigen siebzehn — Allram, Johann Bachmann, Dolenský, Dolt, Chauer, Chramosta, Kolár/Pastranus, Markwordt, Mick, Nachbaur, Oberländer, Paulus, Reissinger, Siege, Slanský, Tobisch, Ulbricht — sind in der Tabelle vollständig benannt; für eigene Seiten reicht die Quellenlage bislang nicht.

Der 23.

Der 23. Gründer, Ignaz Ulbricht, führte laut Chronik einen Ritternamen, der die österreichische Koseform seines Vornamens war — 1859 unverfänglich, im 20. Jahrhundert aber zu einem Wort geworden, das eine öffentliche Gedenkseite ohne Erläuterung nicht einfach wiedergeben sollte. Wer ihn nachschlagen will, findet ihn in der Chronica Allschlaraffiae und bei Hlavničková. Diese Seite verzichtet auf die Nennung.

Was aus der Berufsliste folgt

26 der 43 hatten einen Theaterbezug, davon 9 als Schauspieler engagiert. [HLA-12] Das ist kein Zufall: Die Praga entstand aus dem Ensemble des Ständetheaters unter Franz Thomé, und sie blieb, was ihr Ursprung war — ein Verein von Bühnenmenschen und ihren Freunden, lange bevor sie ein Ritterorden wurde.

Ein bedeutender Teil der frühen Prager Mitgliederbasis war deutschsprachig-jüdisch — eine Tatsache, die auf dieser Seite an dieser Stelle nur benannt, nicht ausgeführt wird. Sie erklärt, was 1938/39 geschah. → Das Ende, 1933 bis 1939

Die prägenden Praga-Führer der Folgezeit

Die 23 Gründer waren der Anfang, nicht das Ganze. Neun weitere Namen tragen die siebenundsiebzig Jahre bis zur Auflösung:

Rittername Profan Bedeutung
Raps der Große Edmund Eichler Regte 1876 das I. Concil an, präsidierte auch dem II. (Prag 1883) und III. Unter ihm wuchs Allschlaraffia um 105 Reyche
Ulrich von Hutten Ludwig Simon Verfasser des 1. Ceremoniells von 1868, erster Geschichtsschreiber der Praga
Barnabas der Steinreiche Anton Weisse 25 Jahrungen Kanzler, brachte 1896 das Burgbau-Projekt Stephansgasse ein
Barbarossa der Schöne Heinrich Rödl Nahm 1897 die Weihe der Allmutterburg vor
Fürst Devast der Große vom Böhmerwalde Felix Lechner Fast 30 Jahre Oberschlaraffe des Äußern, Ehrengrab auf dem Neuen Jüdischen Friedhof
Hyp mit der Nose Prof. Dr. Karl Walko Von 1933 bis zum Ende auf dem Praga-Thron, wandte 1935/36 die Weisung des Vatikans ab
S. O. S.topsil vom hintern Türl Friedrich Ballabene-Ballaberg Letzter Vorsitzender der Praga, rettete 1939 das Archiv nach Bern
Drasal der Glockenthurm Albert Maertens Verfasser der Chronica Allschlaraffiae von 1898
Graf Bimson der Lichtarbeiter Arthur Bellmann Druckte die Chronica in seiner Reychsdruckerei

[VCH I–IV]

Auch eine heitere Seite

Elf-Felder-Bogen mit Karikaturen der Gründer in Alltagsszenen, in der Mitte der geflügelte Uhu über einer Tafelrunde
„Unsere Urschlaraffen in der Karrikatur." Elf Szenen aus Werkstatt, Laden, Küche und Fechtboden, in der Mitte der Uhu über einer Tafelrunde. Aus: Drasal vom Glockenthurm, Chronica Allschlaraffiae, I. Teil, Praga a. U. 39. Digitalisat: Archiv Schlaraffia Eisenach e. V.

Nicht jede Erinnerung an die Urschlaraffen ist ernst. Dieselbe Chronik, die ihre Faksimile-Unterschriften bewahrt, hat sie auch karikiert — mit Schürze, Ladentisch und Fechtdegen. Das gehört genauso zur Praga wie die Sanktion durch die Wartburg.


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Franz Thomé Der Theaterdirektor, unter dem die Praga entstand: eine Karriere von Wien über Riga nach Prag, und ein Ehrengrab auf dem Olšany-Friedhof. Albert Eilers Der Mann, um den es beim Streit ging, und der am 10. Oktober 1859 zur Gründung aufrief. Eduard Schmidt-Weißenfels Der erste Kanzler der Praga, Verfasser ihrer ersten Verfassung — und der Mann, dem der Wahlspruch „In arte voluptas" zugeschrieben wird. Conrad Adolf Hallenstein Er machte aus seinem eigenen Namen einen Witz und trug ihn ein Leben lang — und brachte die Kappe mit, die zum „Prager Helm" wurde. Wilhelm Jahn Er schrieb die Melodie des Stiftungsliedes auf die Rückseite eines Speisezettels und heißt bis heute danach. Eduard Bachmann Er spielte bei Johann Strauss, bevor er Tenor wurde — und war der erste Schatzmeister der Praga.