Der kunstvoll geschnitzte Schrank, in dem das gerettete Praga-Archiv seit 1942 verwahrt wird. Geschenk des Rt Piepmatz, h. R. Berna, Schweiz.
Die dramatischste Rettungsgeschichte unter allen geretteten Stücken — und sie hat zwei Erzählungen, die einander ergänzen.
Die erste Reise — Bern, 11. Februar 1939
Fritz Ballabene, Rt S. O. S.topsil vom hintern Türl, Chefredakteur der Praga, reiste am 11. Februar 1939 — vier Monate vor der endgültigen Auflösung — nach Bern. Dort legte er mit dem dortigen Kantzler Parafratello Geheimkonten an und brachte auf dieser Reise bereits einen Teil des allschlaraffischen Archivs aus Prag mit.
Die zweite Etappe — ein Zug über die Grenze, 1942
Die Chronik Band III erzählt, was aus dem Rest wurde:
„Der Besitz und das Archiv der Praga waren aufs äußerste gefährdet, selbst wenn letzteres zu dieser Zeit bereits in der Schweizer Gesandtschaft in Prag untergebracht worden und damit dem Zugriff staatlicher Kontrollorgane entzogen war. Parafratello war Chefbeamter im Chiffrierdienst des schweizerischen Politischen Departementes und hatte gute persönliche Beziehungen zu dem damaligen Schweizer Gesandten in Prag. […] Schlußbild: Ein Eisenbahnzug verläßt 1942 Prag, rollt der schweizerischen Grenze entgegen. In einem versiegelten Wagen mit dem Hausrat des Gesandten steht auch die Kiste mit dem Praga-Archiv."
— Chronik des Verbandes Allschlaraffia, Band III
Ein Diplomatengepäck als Fluchtweg für ein Vereinsarchiv — drei Jahre nach der erzwungenen Auflösung, mitten im Krieg.
Was daraus wurde
Aus dem geretteten Bestand stammen der Allschlaraffische Spiegel von 1876, das 1. Ceremoniell von 1868 und die Chronologia der Praga — drei der ältesten Dokumente der ganzen Bewegung. Aufbewahrt wird das Archiv seither im h. R. Berna (70), in einem kunstvoll beschnitzten Schrank, einem Geschenk des Rt Piepmatz (Solodorum). Bibliografiert wurde der Bestand von Barocanto der Fa-Bel-Librische Adactus: Das Praga Archiv. Eine Bibliographie der von Rt. Parafratello (70) geretteten Schriften, Bern 2006.
Was in Prag verloren ging
Der in Prag verbliebene Rest des Archivs ging im Krieg unwiederbringlich verloren. Was heute in Bern liegt, ist alles, was von der schriftlichen Überlieferung der Allmutter übrig ist.
Quellen zu dieser Seite: Hlavničková, Diplomarbeit; Chronik des Verbandes Allschlaraffia, Band III; Barocanto der Fa-Bel-Librische Adactus, Das Praga Archiv, Bern 2006.
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