Wie die Praga zur Allmutter wurde

„Allmutter" ist kein weibliches Wesen: der Ehrentitel der Praga als Mutterreych, verliehen 1876 von den eigenen Töchtern beim I. Concil zu Lipsia.

„Allmutter" ist kein weibliches Wesen — es ist ein Rang, verliehen von den eigenen Töchtern.

Was der Titel nicht heißt

Der Name klingt, als sei mit „Allmutter" eine Frau gemeint. Das ist er nicht. Allmutter ist der Ehrentitel der Praga selbst, als Mutterreych aller Schlaraffenreyche — verliehen von den versammelten Töchtern, nicht selbst beansprucht. Wer den Begriff im Zusammenhang mit Frauen erklärt, führt in die Irre; die eigentliche Geschichte der Frauen bei der Praga steht auf einer eigenen Seite. → Die Frauen

Die ersten Töchter

Schon im ersten Jahr nach der Konstituierung begann die Praga, Nachwuchs zu bekommen. Am 21. Mai 1861 erkannte die junge Schlaraffia die Brünner Schlaraffia als Filiale an — die erste Tochter überhaupt. Es folgten Berolina (Berlin) 1865, gegründet von Eduard Schmidt-Weißenfels — der selbst Praga-Urschlaraffe war, bevor er nach Berlin ging — und die 1867 die Praga als Mutterreych anerkannte; Lipsia (Leipzig) 1872, unter anderem von Ballettmeister Reissinger gegründet; und Vindobona (Wien) 1880, gegründet durch eine Botschaft der Allmutter unter Rt Höllenstein — dem Rittername Conrad Adolf Hallensteins, eines der Urschlaraffen von 1859. → Conrad Adolf Hallenstein

Der Rang, den die Töchter verliehen — Lipsia 1876

Der Titel wurde nicht von der Praga selbst beansprucht, sondern von den Töchtern verliehen. Beim I. Allschlaraffischen Concil zu Lipsia 1876 gründeten 87 Teilnehmer aus Praga, Berolina, Lipsia und Grazia die Allschlaraffia als gemeinsamen Dachverband — und erkannten die Praga als Allmutter an. Eingeladen hatte der Prager Oberschlaraffe Rt Raps der Große, der später auch dem II. Concil (Prag 1883) und dem III. Concil (München 1888) vorsaß; unter seiner Führung wuchs Allschlaraffia um 105 weitere Reyche.

Auf demselben Concil wurde noch über etwas ganz anderes verhandelt — welches Symbol, der Aha-Pokal oder der Uhu, künftig für den ganzen Bund stehen sollte. Diese Geschichte erzählt eine eigene Seite. → Wie ein Vogel zum Symbol wurde

Ein Wappen, das alle übernehmen mussten

Mit dem Rang kam eine Pflicht: Alle Töchterreyche mussten das Praga-Wappen übernehmen, meist als Herzschild in ihrem eigenen Wappen — schräggeteilt, mit der Schellenkappe oben links und dem Aha-Pokal unten rechts, in Blau-Gelb. Wohin man auch reist, im Wappen jedes Reyches steckt bis heute ein Stück Prag.

Der Wuchs einer Familie

Aus vier Reychen beim Gründungsconcil 1876 wurde ein Weltbund: Bis 1939 entstanden über 300 Reyche in Europa, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika sowie Australien und Ozeanien. 1884 wurde San Francisco die erste überseeische Colonie. Vor 1933 zählte der Bund weltweit über 13.000 Mitglieder.

Was aus dem Titel wurde

Der Rang der Allmutter war mehr als eine Ehrenbezeichnung — er war ein Recht, das die Praga bis 1938 auch ausübte: neue Reyche sanktionieren, Statuten mitschreiben, im Streitfall schlichten. So erhob 1925 ihre Herrlichkeit Fichte im Auftrag der Allmutter persönlich die Ysenaha zum Reych — auf der Wartburg. → Die Ysenaha und die Allmutter

Wie die Praga diesen Rang 1938 freiwillig abgab, um Allschlaraffia auch ohne sich selbst eine Führung zu sichern, und wie sie 1939 erlosch, erzählt die letzte Seite ihrer Geschichte. → Das Ende, 1933 bis 1939

Quellen zu dieser Seite: Chronik des Verbandes Allschlaraffia, Band I und II.

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