Die Frauen

Statutarisch ausgeschlossen und doch von Anfang an dabei: die früheste belegte Erwähnung von Frauen bei der Praga ist der 23. April 1861.

Was hier nicht steht: eine Verteidigung, eine Entschuldigung oder eine Modernisierung.

Erst eine Klarstellung

„Allmutter" ist kein weibliches Wesen, sondern der Ehrentitel der Praga selbst als Mutterreych aller Schlaraffenreyche. → Wie die Praga zur Allmutter wurde

Die tatsächlichen weiblichen Begriffe des Bundes lauten: Burgfrau (Ehefrau eines Sassen), Burgmaid (Tochter), Knäpplein (Sohn), Burgschreck (Schwiegermutter, scherzhaft), Pilgerin (weiblicher Gast); der Sammelbegriff für die Angehörigen ist Tross.

Die erste Regel ist ein Ausschluss

Der älteste dokumentierte Satz der Praga zum Thema steht in den Statuten, eingereicht am 18. März 1861:

„Mitglieder durften nur Männer werden, und zur Aufnahme eines neuen Mitglieds brauchte der Betreffende die Zustimmung von mindestens zwei Dritteln aller Vereinsmitglieder, was bis zum Erlöschen der Schlaraffia bei uns unverändert blieb."

— Hlavničková

Und trotzdem waren sie von Anfang an dabei

Das ist die eigentliche Geschichte, und sie ist besser belegt, als man erwartet. Alle folgenden Fundstellen stammen aus dem ersten Jahr nach der Konstituierung:

Datum Ereignis
23. April 1861 Shakespearefest in den Räumen der „Bohemia": „zur Hälfte Damen", die dem Feste ein besonders feierliches Ansehen gaben; Tanz bis zum frühen Morgen
21. Mai 1861 Brief aus Brünn: „unsere Frauen — welche täglich Zutritt haben — die Speisen bereiten"
30. Mai 1861 Fahnenweihe zu Zavist. Erste Nennung des Wortes „Schlaraffinen" in der Chronik — das Banner wurde „von sämmtlichen Schlaraffinen und Schlaraffen an die Stange seines Daseins genagelt"
8. Juni 1861 Eine Schlaraffinendeputation überreicht eine gestickte Fahne; „Burgfrau Carl II. sprach dabei einige Worte"
12. Dezember 1861 Erster Burgfrawenabend: „Die Schlaraffia empfängt zum ersten Male eingeladene Freunde"
6. Februar 1862 Jubiläumsfeier Ritter Cactus, „sammt Burgfrau und seinen zwei liebenswürdigen Töchtern"; Ball bis zum hellen Morgen
18. Juni 1862 „das grosse Sternfest mit Burgfrawen"
16. August / 22. Oktober 1862 Beschlüsse, Damenabend bzw. Damenjourfix regelmäßig zu veranstalten
11. März 1865 Ernüchterung: „Von 14 eingeladenen Damen erschien nur Eine"

Die früheste belegte Erwähnung von Frauen im Praga-Zusammenhang ist damit der 23. April 1861, die früheste Verwendung des Wortes „Schlaraffinen" der 30. Mai 1861, die erste eigene Veranstaltung für die Burgfrauen der 12. Dezember 1861.

Die grundsätzliche Position des Bundes

Aus dem Kapitel „Schlaraffia und die Frauen" der Verbandschronik:

„Und wir wissen um das große Interesse, um die Liebe und ehrliche Begeisterung von Burgfrauen für Schlaraffia und um ihre Freude, im Bunde als ‚Schlaraffinen' gewürdigt und geehrt zu werden. Am liebsten würden sie mitsippen, und sie bedauern, nur an ‚Burgfrauenabenden', ‚Uhubaumfeyern' und besonderen Gelegenheiten offiziell teilnehmen zu dürfen. Aber — Schlaraffentum ist ‚Manneswerk'! In § 1 des Spiegels heißt es: ‚Schlaraffia ist die Gemeinschaft von Männern …'"

Dieselbe Chronik registriert zugleich eine faktische Aufweichung — und die Kritik daran:

„Daß Burgfrauen überhaupt aus irgendeinem anderen Anlaß, als dem Burgfrauenabend, zu einer Sippung zugelassen werden dürfen, davon ist weder im Spiegel noch im Ceremoniale mit einem Wort die Rede. Heute werden dem entgegen allenthalben Stiftungsfeste, Burgweyhen, Sanktionen, Ursippenfeyern usw. mit Burgfrauen gefeyert. Und dann kommt als Abschluß ein ‚Fröhliches Tanzbeinschwingen', d. h. die dem Uhu geweihte Burg wird zur Tanzdiele gemacht."

Hlavničková beschreibt aus tschechischer Sicht dieselbe Praxis nüchterner:

„Den Frauen war der Zutritt zu den Sippungen sonst streng verboten und nur in ganz außergewöhnlichen Fällen erlaubt. Etwa bei der Feier eines runden Geburtstags eines Schlaraffen durfte seine Familie die Schwelle der Burg überschreiten und ihm ein Geschenk überreichen. Bald aber musste sie wieder gehen."

Beim Concil in Salzburg 1929 waren 713 Schlaraffen und 451 Begleitpersonen angemeldet — die konkreteste Zahl zur weiblichen Beteiligung, die die Quellen hergeben.

Ein Ton, der nicht unkommentiert bleiben darf

Der schlaraffische Prag-Führer „Memento Pragae!" von 1884 schreibt, die schönsten Blumen der Prager Flora besäßen natürlich die Ritter, und gelegentlich veranstalteten sie eine Ausstellung, um sich mit ihnen zu brüsten — „diesen Ausstellungen sagt man Damenabend." Hlavničková kommentiert trocken: „Galanterie fehlte also wohl keinem der Ritter dieses rein männlichen Vereins."

Der Scherz ist heute schwer erträglich. Er gehört auf diese Seite — aber mit Einordnung, nicht als Anekdote.

Im Liedgut

Frauen erscheinen im Liedgut ab 1886: „An Schlaraffias Frauen" (1886), „Schlaraffias Frauen" (1895), „Burgfrauenbangk" und „Burgfrauenlied" (beide 1890), „Das Lied von der Tante Ihi" (1890), später „Geh' Burgfrau sei fidel" (1950). Es sind Verherrlichungslieder: Personen werden direkt angesprochen und, wie es in der Literatur heißt, „praktisch in den Verein hereingesungen".

Quellen zu dieser Seite: Hlavničková, Diplomarbeit; Drasal, Chronica Allschlaraffiae; Chronik des Verbandes Allschlaraffia, Kapitel „Schlaraffia und die Frauen"; Memento Pragae!, 1884. Weiterführend: schlaraffenfreunde.de.

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