Die Schlaraffia ist nicht am Reißbrett entstanden. Sie begann mit einer Kränkung.
Im Frühjahr 1859 wurde in Prag im Künstlerverein Arcadia ein Wort gesagt, das Schauspieler und Musiker zu Leuten zweiter Klasse erklärte. Die Gekränkten gingen und nannten sich aus Trotz, was man ihnen vorgeworfen hatte: Proletarier. Aus diesem Proletarier-Club wurde am 10. Oktober desselben Jahres die Schlaraffia — und aus ihr ein Bund, der bis heute über zweihundertfünfzig Reyche auf mehreren Kontinenten zählt.
Die Praga blieb das erste Reych. 1876 sprach ihr das I. Concil zu Lipsia den Namen zu, den sie bis heute trägt: Allmutter. Sie stiftete Töchter, sanktionierte neue Reyche, gab ihr Wappen weiter und schrieb die Regeln, nach denen das Spiel gespielt wird. 1897 bezog sie eine eigene Burg in der Stephansgasse. 1939 war alles vorbei.
Was auf diesen Seiten anders ist als in den Festschriften
Die schlaraffische Überlieferung ist reich und sie ist nicht immer zuverlässig. Rt Drasal vom Glockenthurm schrieb seine Chronica 1898 — fast vierzig Jahre nach den Ereignissen, die er schildert, und mit dem sichtbaren Wunsch, aus einer Wirtshausrunde einen Gründungsakt zu machen. Die Chronik des Verbandes hat ihn an mehreren Stellen korrigiert. Die tschechische Forschung hat weitere Korrekturen beigesteuert.
Diese Seiten erzählen die Geschichte so, wie sie sich belegen lässt — und sagen dort, wo die Quellen auseinandergehen, dass sie auseinandergehen. Wer wissen will, was offen ist, findet es gesammelt unter Was wir nicht wissen.
Der Bogen in acht Kapiteln
Die Kapitel lassen sich der Reihe nach lesen. Wer nur eines liest, sollte Der 10. Oktober 1859 nehmen — dort steht, was an diesem Abend geschah, und gleich daneben, was daran so nicht stimmt.
„Der Verein hat den Zweck, seinen Mitgliedern durch Pflege von Kunst und Humor eine angenehme Erholung zu bieten. Politik und Religion sind ausgeschlossen."
— aus dem Vereinszweck von 1861 [CHR-A]