Wo das ist
Štěpánská 623/40, 110 00 Praha 1 – Nové Město
Heute steht dort das Hotel Almanac X Alcron. An der Nordseite der Außenwand, neben der Einfahrt zur Tiefgarage, sitzt eine Pforte in der Fassade — sie führt nirgendwohin, sie ist ein Blindtor. Daneben hängt eine zweisprachige Gedenktafel. Über der Pforte thront ein gegossener Uhu, knapp 0,75 Meter hoch.
Nächste Metro: Muzeum (Linien A und C) oder Můstek (A und B). Straßenbahn: Vodičkova. Vom Wenzelsplatz sind es fünf Minuten zu Fuß.
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Was hier stand
Am 25. Januar 1896 trat Rt Barnabas der Steinreiche vor 59 Sassen und legte einen Plan vor:
„Am 25. des Eismondes 1596 entwickelte Se. Vieledeln Barnabas in Gegenwart von 59 Sassen das Project, ein Grundstück in der Stefansgasse für 27.000 fl. anzukaufen und auf demselben eine eigene Burg, sowie Zinshaus mit Restaurationsräumlichkeiten zu erbauen. Mit Stimmeneinhelligkeit wurde das Project genehmigt." [CHR-A]
(Die Chronik datiert 300 Jahre zurück — 1596 meint 1896. → Anno Uhui: wie Schlaraffen zählen)
Das Geld kam aus den eigenen Reihen: 4.500 Gulden an Spenden und 13.500 Gulden in 135 Anteilscheinen zu je 100 Gulden. Am 18. August 1896 begann der Abriss des Altbaus.
Gebaut wurde nach Plänen des Architekten František Buldra auf einer rechteckigen Parzelle von 619,34 Quadratmetern mit Garten; die Straßenfront maß etwa zehn Meter. Von außen war es ein gewöhnliches Zinshaus — der Rittersaal lag im Hofflügel, verborgen, ausgemalt von prominenten Künstlern aus den Reihen der Prager Schlaraffia. Den Saalentwurf lieferte der Praga-Sasse Rt Murillo, im bürgerlichen Leben Parcival de Vry, technischer Direktor des Deutschen Landestheaters; er reichte ihn außer Konkurrenz ein und wurde im Frühjahr 1897 gegen sechs andere Entwürfe einstimmig gewählt. An der Burgschänke hing ein Schild „Burgschenke"; im Haus wirtschaftete ein „Restaurant Töpfer, Schlaraffia, Stefansgasse 36". [KAL-25]
Die letzte Sippung im alten Quartier fand am 27. März 1897 statt, mit einem Ritterschlag. Am 13. November 1897 zog die Praga ein, am 20. November weihte Hkt. Barbarossa die Burg.
Der Sippungssaal der Allmutterburg. Ansichtskarte, vor 1918. 〔Sammlung / Bildgeber〕
Zehn Tage später
Am 30. November und 1. Dezember 1897 wurde das Haus während der Prager Dezemberunruhen belagert. Ein Steinhagel zerstörte sämtliche Fenster- und Spiegelscheiben, die Burgschänke wurde vollständig ausgeraubt. Am 30. November schritt das Militär ein, am 1. Dezember die Polizei. Die Sippungen am 4. und 11. Dezember fielen aus. In vielen Reychen des Uhuversums fanden daraufhin „Entrüstungskundgebungen" statt.
„Diese wurde aber kurz vor der inneren Fertigstellung bei den Prager Straßenunruhen 1597 vom tschechischen Pöbel heimgesucht, geplündert und übel zugerichtet, so daß der feyerliche Einzug erst 1598 erfolgen konnte." [VCH II]
Die Allmutterburg war also schon vierzig Jahre vor ihrem Ende einmal Ziel nationaler Gewalt.
Wie sie verschwand
Hier hält sich eine falsche Annahme hartnäckig: Die Burg sei dem Bau des Hotels Alcron (1929–1932) zum Opfer gefallen. Das stimmt nicht.
1939 wurde das Vermögen der Praga beschlagnahmt. Noch 1968, während des Prager Frühlings, konnte ein Schlaraffe die Burg in Augenschein nehmen — „damals schon vom (herbeigeführten) Einsturz bedroht und zum Abbruch bestimmt" [VCH IV].
„Über den Abriss des Hofflügels mit dem Vereinssaal wurde 1976 entschieden, begründet mit der Baufälligkeit des Objekts und dem ‚angeblich unerwünschten deutschen Nationalismus des Vereins'. […] Das ganze Gebäude verschwand dann beim Umbau des Hotels Alcron in den neunziger Jahren, als es baulich in das neu rekonstruierte Hotel eingegliedert wurde." — Renáta Kalašová, Allmutterburg, 2025 [KAL-25]
Das Nationale Denkmalinstitut urteilte, das Haus habe „einschließlich des Mobiliars zweifellos zu den wertvollsten Prager Vereinsräumen gehört".
Die Erinnerung an die Praga wurde zweimal politisch beseitigt: 1939 von den Nationalsozialisten, 1976 von der kommunistischen Denkmalverwaltung.
Die Pforte — und was daneben verschwand
1998, nach der Generalsanierung des Hotels, wurde die Pforte in die neue Fassade gesetzt. Sie ist das einzige bauliche Zeichen am Ort — und sie gilt als das Original, nicht als Nachbau: Die schmiedeeiserne Burgpforte selbst blieb, anders als fast alles andere, in Prag.
Was nicht in Prag blieb, waren die geschnitzten hölzernen Türfüllungen, die zur selben Burgpforte gehörten. Über dem Sturz stand, in das Holz geschnitten, zwischen zwei Rosetten die Devise IN ARTE VOLUPTAS. Jeder Flügel trug eine Muschelbekrönung, Bandwerk — und in der Mitte das geschnitzte Praga-Wappen: der schräggeteilte Schild mit dem Kopf in der dreizipfligen Schellenkappe und dem Aha-Pokal.

Diese Füllungen existieren noch. Rt Murano erwarb sie nach über zweijährigen Bemühungen auf legalem Weg und rettete sie kurz vor dem Abbruch. Sie befinden sich heute im hohen Reych Babenbergia zu Bamberg, wo sie den Ahallaschrein zieren; das Emblem „In Arte Voluptas" schmückt dort die Pforte der Metisburg. [VCH III, VCH IV]
Zwei Originale also, an zwei Orten: Die metallene Pforte blieb in Prag, an ihrem angestammten Platz. Ihre geschnitzten hölzernen Türfüllungen mit dem Praga-Wappen stehen heute, gerettet, im h. R. Babenbergia zu Bamberg. → Pforte, Türfüllungen, Geländer — die ganze Geschichte
Und noch eine Schleife weiter: Als Junker Andres vom Reych „Am Erlenanger" im Winter 2005/06 vor der Pforte stand, wollte er den gegossenen Uhu darüber mitnehmen und konnte es nicht — also baute er ihn in Kupfer nach und hängte ihn als Leuchte über seine Rostra. Das, und nur das, ist tatsächlich eine Kopie.
Der Burges Pforte schmieget sich / An grauen Marmor – fürchterlich! / Doch ganz hoch oben thront noch immer / Der Uhu, ehern, matt und schimmernd.
— Jk Andres (232), Ritterarbeit, a. U. 147
→ Pforte, Türfüllungen, Geländer
Zum Schluss
Drasal beendete 1898 seinen ersten Chronikband, kurz nachdem die Praga eingezogen war, mit einem einzigen Satz:
„Auf Wiedersehen in der neuen, alten Teutoburg!" [CHR-A]