Freund's Restauration

An dieser Ecke stand das Wirtshaus, in dem am 10. Oktober 1859 die Schlaraffia gegründet wurde. Das Haus selbst ist verschwunden — die Gedenktafel hängt heute vermutlich am falschen Eckhaus gegenüber.

Hier, an der Ecke Wassergasse und Grube, wurde am 10. Oktober 1859 die Schlaraffia gegründet — das Haus selbst gibt es seit fast hundert Jahren nicht mehr.

Der Wirt und sein Uhu

Freund's Restauration lag an der Ecke Wassergasse/Grube, Haus Nr. 698/II — heute die Ecke Vodičkova 32 / V Jámě 1. Der Wirt Freund war vorher Angestellter des Fürsten von Öttingen gewesen; als er aus dessen Diensten schied und sich in Prag eine eigene Gaststätte einrichtete, brachte er einige ausrangierte Jagdtrophäen aus dem fürstlichen Schloss mit, mit denen er seine Gaststube schmückte. Darunter, freischwebend von der Decke, hing ein ausgestopfter Uhu:

„Zur Zeit der Gründung Schlaraffias verkehrte die Gesellschaft in Freunds Gasthaus, Ecke Wassergasse und Grube. […] Darunter befand sich auch ein ausgestopfter Uhu, der freischwebend an der Decke aufgehängt war. Gerade unterhalb dieses Vogels fand am 10. Oktober 1859 die Gründung der Schlaraffia statt." — Chronik des Verbandes Allschlaraffia I

Diese Erzählung ist die Wiege der ganzen Uhu-Verehrung — auch wenn der eigentliche Uhu-Kult der Schlaraffia erst Jahre später, mit eigenen getauften Pokalen und einem lebenden Vogel, begann. Die ganze, ungeschönte Geschichte dazu: → Wie ein Vogel zum Symbol wurde

Freund's Restauration war ursprünglich das Stammlokal des Proletarier-Clubs, aus dem am 10. Oktober 1859 die Schlaraffia wurde: → Ein Wort, das alles auslöste

Was von ihr übrig ist

Das Haus Nr. 698/II wurde vor 1927 abgerissen. An seiner Stelle steht heute ein anderes Gebäude. Von der eigentlichen Gründungsstätte ist also nichts Bauliches mehr da — kein Gebäude, keine Wand, keine Tür.

Straßenecke in Prag mit einem Gasthaus, Schriftzug „Branický sklípek
Der Gasthausbau an der Ecke Vodičkova/V Jámě heute, unter dem Namen „Branický sklípek". Das ursprüngliche Gründungshaus (Nr. 698/II) an dieser Ecke wurde vor 1927 abgerissen — was heute dort steht, ist ein Neubau.

Die Tafel an der falschen Ecke

Seit 2009, zum 150. Jahrestag, hängt im Lokal am vermuteten Gründungsort eine hölzerne, deutsch-tschechische Gedenktafel — gestiftet vom hohen Reych Dresa florentis und unter den Auspizien des Allschlaraffenrates angebracht. Sassen legen zwischen Tafel und Wand kleine Schriftstücke als Besuchszeugnis. Vollständiger Wortlaut: → Die Gedenktafeln

Die tschechische Wikipedia hält diese Platzierung für einen Irrtum: Die Tafel hänge im gegenüberliegenden Eckhaus (čp. 667/II, früher „Branický sklípek", heute Restaurace U Purkmistra) — weil das echte Gründungshaus (čp. 698/II) längst nicht mehr existiert und niemand mehr genau weiß, an welcher der vier Ecken es einst stand.

Die Gedenktafel steht also vermutlich an der falschen Ecke — weil die richtige nicht mehr existiert. Das ist keine peinliche Panne, sondern eine ziemlich schlaraffische Pointe: Ein Wirtshaus ohne Namen und Statuten, aus dem 1859 in einer einzigen Nacht ein Weltbund wurde, hinterlässt hundertfünfzig Jahre später eine Gedenktafel, die niemand mehr sicher zuordnen kann. Auch das gehört zur Geschichte dieses Ortes.

Quellen zu dieser Seite: Chronik des Verbandes Allschlaraffia I; schlaraffischer Reiseführer (Praga-Reise.pdf); tschechische Wikipedia, Artikel zur Gedenktafel.

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